Nutzer können sich mit MRSA infizieren!

Methicillin-resistente S. aureus(MRSA) können beim Menschen und bei vielen Haus- und
Heimtieren nachgewiesen werden. Sie besiedeln die Haut und die Schleimhäute, können
aber auch zu schwerwiegenden Wund- und Atemwegsinfektionen bis hin zur Blutvergiftung
führen. Das besondere Kennzeichen dieser Keime ist ihre Unempfindlichkeit (Resistenz)
gegenüber einer großen Gruppe von Antibiotika, zu denen die Penicilline und die Cepha
losporine gehören. Durch diese Resistenz sind Infektionen mit den Keimen nur schwer zu
therapieren. Der Name leitet sich von der Testsubstanz Methicillin ab, anhand derer die Re
sistenz der Bakterien in der Vergangenheit festgestellt wurde.
MRSA sind in Krankenhäusern seit Jahrzehnten gefürchtete Erreger sogenannter Hospita
lismusinfektionen. Seit den 1990er Jahren wurden MRSA vermehrt aber auch außerhalb von
Krankenhäusern nachgewiesen.
In den letzten 3 bis 4 Jahren häufen sich Berichte über das Vorkommen von MRSA auch bei
Tieren. Sie treten hier einerseits als Infektionserreger in Tierkliniken auf. Sie wurden ande
rerseits aber auch bei gesunden Nutztieren nachgewiesen. Bei den Nutztieren wurde vor
allem ein Typ von MRSA nachgewiesen, der ST398 genannt wird. Dieser Typ wurde auch
bei Personen gefunden, die mit Nutztieren Kontakt haben, also bei Landwirten, Tierärzten
und Schlachthofmitarbeitern. Die Besiedlung mit dem Keim führte aber nur in wenigen Fällen zur Erkrankung.
Daraufhin wurde die Forschung zu weiteren möglichen Übertragungswegen von MRSA in
tensiviert. Im Folgenden hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wesentliche Expositionspfade für den Menschen betrachtet, d.h. die Möglichkeit sich über den Kontakt mit Nutztieren, über die Umwelt und den Kontakt oder Verzehr mit Lebensmitteln mit MRSA zu infizieren. Der Schwerpunkt dieser Betrachtung liegt dabei auf dem MRSA Typ ST398, da dieser in der Lebensmittelkette, d.h. vom Nutztier bis zum Lebensmittel im Einzelhandel, auch in Deutschland am häufigsten nachgewiesen wurde.
Personen, die beruflich sehr viel mit Nutztieren in Kontakt kommen, sind als Risikogruppe für die Besiedelung und Infektion mit MRSA dieses Typs einzustufen. Eine Übertragung über die Umwelt der Tiere erscheint möglich, da MRSA dieses Typs auch im Stallstaub nachgewiesen werden können. Jedoch gibt es für diesen Übertragungsweg bisher wenig Belege.
MRSA werden auch im Lebensmittel nachgewiesen, vor allem im Fleisch. Allerdings ist die
Konzentration der Keime im Lebensmittel gering, und es gibt bisher keine Hinweise auf In
fektionen, die auf den Kontakt mit oder den Verzehr von MRSA belasteten Lebensmitteln
hindeuten. Einen zusätzlichen Schutz gegen MRSA-kontaminierte Lebensmittel bieten die
Grundregeln der Küchenhygiene (Fleisch gut durchgaren, Kreuzkontamination vermeiden),
da der Keim bei Hitze abgetötet wird.
Eine Übertragung von MRSA von beruflich mit Nutztieren befassten Personen auf andere
Menschen ist möglich. Die Übertragung von Mensch zu Mensch im Alltag hat aber derzeit
eine geringe Bedeutung für die Ausbreitung von MRSA vom Typ ST398. Allerdings ist durch die Häufigkeit der Besiedlung beruflich exponierter Personen ein Eintrag von MRSA ST398 in Einrichtungen des Gesundheitswesens möglich, wenn mit MRSA besiedelte Personen zum Beispiel in ein Krankenhaus eingewiesen werden.
Das BfR rät, die genannten Personengruppen, wie Landwirte, Tierärzte und Schlachthofper
sonal, verstärkt über die Gefahr der Besiedlung und Infektion mit MRSA sowie die erforderlichen Hygieneregeln als Schutzmaßnahmen aufzuklären.
Eine Quantifizierung des Risikos für den Verbraucher, von MRSA ST398 besiedelt oder gar
infiziert zu werden, ist derzeit nicht möglich. Das BfR hält weitere umfangreiche Forschungsarbeiten für notwendig, um die Eigenschaften des Erregers besser zu verstehen. Dabei geht es insbesondere um die Faktoren, die seine Verbreitung beeinflussen und um die Möglichkeit, dass der Erreger krankmachende Eigenschaften von anderen Erregern übernimmt oder Resistenzen gegen weitere Antibiotika erwirbt.
Weiterlesen:
http://www.bfr.bund.de/cm/343/menschen_koennen_sich_ueber_den_kontakt_mit_nutztieren_mit_mrsa_infizieren.pdf